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Was ich als Ärztin von meinem eigenen Körper gelernt habe

Wie persönliche Erfahrungen meine Arbeit bis heute prägen.

Ich weiß noch ziemlich genau, wie es sich angefühlt hat, als mein Körper mich plötzlich ausgebremst hat.
Ich war schon immer ein Bewegungskind. Schon als Kind war ich eher das Duracell-Häschen mit viel Energie, immer in Bewegung und irgendwie ständig auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer.
Auch während meines Medizinstudiums fiel mir das viele Sitzen und Zuhören schwer. Ich wollte nicht nur theoretisch lernen, sondern etwas erleben, mich bewegen, meinen Körper spüren. Bewegung war für mich schon damals ein wichtiger Teil meines Lebens. 
Und dann kam dieser Reitunfall.
Ein gebrochenes Bein. Neun Wochen absolutes Laufverbot.
Für mich als Bewegungskind war das erst einmal der blanke Horror. Plötzlich ging gar nichts mehr. Kein Laufen, kein Sport, kein einfaches „Ich mach mal eben“. Mein Körper gab das Tempo vor – und ich hatte keine andere Wahl, als mich darauf einzulassen.
Heute weiß ich, dass genau diese erzwungene Pause etwas in mir angestoßen hat.

Wenn der Körper plötzlich das Tempo vorgibt

In dieser Zeit begann ich, mich intensiver mit meinem eigenen Körper und meinem Erleben auseinanderzusetzen.
Ich fing an zu lesen und stellte mir Fragen, die mir vorher so nicht gekommen waren: Warum bin ich eigentlich ständig so hibbelig? Warum fällt mir Stillstand so schwer? Warum habe ich mich so oft anders oder nicht ganz zugehörig gefühlt?
Damals hatte ich noch nicht die medizinischen und neurobiologischen Erklärungen, die ich heute dafür kenne. Aber ich begann, neugierig auf mich selbst zu werden. Und ich suchte nach Wegen, meinen Körper nicht nur wieder funktionsfähig zu bekommen, sondern ihn besser zu verstehen.
So kam ich zum Yoga. Meine erste Yoga-Ausbildung begann ich damals übrigens mit einem Gedanken, der ziemlich typisch für mich war: Wenn ich schon nicht laufen kann, dann kann ich doch wenigstens lernen, Yoga zu unterrichten.
Parallel dazu begann ich, mich mit Somatic Experiencing zu beschäftigen. Was zunächst aus meiner eigenen Situation heraus entstanden war, wurde mit der Zeit zu einem immer wichtigeren Teil meines Weges.

Medizin erklärt vieles – aber nicht immer alles

Viele Jahre später hatte ich mein Medizinstudium abgeschlossen und meine Facharztprüfung bestanden.
Und trotzdem merkte ich schon während meiner Zeit als Assistenzärztin, dass mich an den Menschen, die ich begleitet habe, oft etwas anderes besonders interessiert hat: ihre Geschichten, ihre Emotionen und die Verbindung zwischen dem, was sie körperlich erlebt haben, und dem, was in ihrem Leben gerade passiert.
Denn natürlich können wir Symptome untersuchen, Diagnosen stellen und Krankheiten behandeln. Das ist ein wichtiger Teil der Medizin und etwas, das ich als Ärztin sehr schätze. Aber irgendwann wurde mir immer deutlicher, dass der Mensch nicht aus einzelnen Symptomen besteht.
Körper und Seele lassen sich nicht einfach voneinander trennen.
Diese Erkenntnis ist nicht nur aus meiner beruflichen Erfahrung entstanden. Sie hat sehr viel mit meinem eigenen Weg zu tun. Ich habe selbst erfahren, wie eng Bewegung, innere Anspannung, Wahrnehmung und Wohlbefinden miteinander verbunden sein können.
Und ich habe erlebt, wie viel sich verändern kann, wenn wir beginnen, unseren Körper nicht nur zu „benutzen“, sondern ihm tatsächlich zuzuhören.

Was mein eigener Körper mir beigebracht hat

Heute weiß ich: Mein Körper war mir oft schon viel früher einen Schritt voraus.
Er hat mir gezeigt, wann etwas zu viel war. Er hat mich ausgebremst, wenn ich selbst nicht innehalten wollte. Und er hat mir immer wieder einen Zugang zu mir selbst eröffnet, den ich über den Kopf allein nicht gefunden hätte.
Das bedeutet nicht, dass ich heute jede körperliche Empfindung sofort deute oder für jedes Problem eine psychosomatische Erklärung suche. Ganz im Gegenteil. Gerade mein medizinischer Hintergrund ist für mich ein wichtiger Teil meiner Arbeit.
Aber ich möchte beides miteinander verbinden.
Mein medizinisches Wissen. Meine Erfahrungen mit Bewegung und Yoga. Mein Wissen über das Nervensystem. Und die Erkenntnis, dass unser Körper nicht einfach ein funktionierendes System ist, das wir möglichst lange leistungsfähig halten müssen.
Er ist unser Zuhause.
Und manchmal braucht es gar nicht den großen Umbruch. Manchmal beginnt Veränderung damit, dass wir für einen Moment langsamer werden und wahrnehmen, was gerade eigentlich da ist.

Warum ich heute so arbeite, wie ich arbeite

All diese Erfahrungen haben meine Arbeit geprägt. Ich möchte Menschen nicht in ein bestimmtes Konzept pressen und ihnen auch nicht einfach sagen, was sie tun sollen. Vielmehr möchte ich gemeinsam mit ihnen herausfinden, was für sie stimmig ist und was ihr Körper gerade braucht.
Deshalb findest du in meiner Arbeit heute so unterschiedliche Elemente wie medizinisches Wissen, Yoga, körperorientierte Begleitung und Nervensystem-Regulation. Ich trenne diese Bereiche nicht künstlich voneinander, weil ich sie selbst auch nicht getrennt erlebt habe. 
Für mich bedeutet das, Menschen auf Augenhöhe zu begleiten. Mit dem, was gerade da ist. Mit Bewegung, wenn Bewegung guttut. Mit Ruhe, wenn Ruhe gebraucht wird. Mit Wissen, wenn medizinische Zusammenhänge wichtig sind. Und manchmal auch einfach mit dem Raum, in dem jemand für einen Moment nichts leisten und nichts „richtig machen“ muss.
Denn vielleicht ist das eine der wichtigsten Dinge, die ich von meinem eigenen Körper gelernt habe:
Er muss nicht ständig funktionieren. Ich darf ihm zuhören.
Und genau diesen Raum möchte ich auch anderen Menschen geben.

Vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment …

Vielleicht spürst du beim Lesen, dass auch dein Körper dir schon länger etwas sagen möchte.
Vielleicht bist du erschöpft, angespannt oder einfach neugierig darauf, wieder mehr Verbindung zu dir und deinem Körper zu finden. 
Komm genau so, wie du bist 🤍
Du musst dafür nichts mitbringen und auch nichts leisten. Wir schauen gemeinsam, was gerade da ist und was du brauchst – ganz in deinem Tempo.

Über die Autorin

Beate Pippig ist Ärztin, Yogalehrerin und angehende SE-Practitionerin. Ihr eigener Weg hat ihr gezeigt, wie eng Körper, Nervensystem und unser Erleben miteinander verbunden sind. Was sie heute in ihrer Praxis in Oranienburg weitergibt, ist deshalb nicht nur medizinisches Wissen, sondern auch das, was sie selbst erfahren und auf ihrem Weg lernen durfte.
Beate Pippig
Ärztin, Yogalehrerin und angehende SE-Practionerin

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